Eistherapie - kontraindiziert bei Sportverletzungen?


Das Thema nach dem Wie und Warum der Eisbehandlung wird in medizinischen Fachkreisen immer wieder kontrovers diskutiert und es stellt sich heraus, dass über die Applikation von Kälte bzw. Eis kein Konsens besteht.
Und doch hat sich die Anwendung von Eis in der akuten Phase von Sportverletzungen in den letzten Jahren zu einer gebräuchlichen 1. Hilfemaßnahme, sowie Behandlungsform etabliert.

Grundsätzlich sind Kälteanwendungen bei vielen Krankheitsbildern, Beschwerden oder Situationen sinnvoll und durchaus indiziert. Als erste Hilfemaßnahme sollte es allerdings kritisch hinterfragt werden.

Unumstritten ist eine schmerzlindernde Wirkung, die verletzte Sportler während einer Kälteanwendung erfahren. Daß aber das Ausschalten von Schmerzen für eine erfolgreiche Behandlung oder für eine physiologisch ablaufende Wundheilung meistens kontraproduktiv ist, wird scheinbar nur selten berücksichtigt oder als unwichtig erachtet. In den meisten Fällen wird bei einer Scherzhemmung zu früh und zu viel belastet.

Häufig wird die Meinung vertreten, dass während der akuten Phase Eis benutzt werden kann, um, durch die gefäßverengende Wirkung der Kälte, eine Einblutung zu verhindern. Die durch Kälte hervorgerufene Gefäßverengung (nach ca. 8 min) wird dem Blutaustritt schon deshalb nicht vorbeugen, weil durch neurologische Reflexe und die normale Blutpfropfbildung die Blutgefäße bereits nach 3-5 Minuten vom Körper selbst geschlossen werden.
Somit wird die Notwendigkeit einer Eisanwendung zur Stillung einer Blutung in Frage gestellt.

Nach akuten Verletzungen kommt es (abhängig vom Grad der Verletzung) zu einer Schwellung. Immer häufiger wurde in den letzten Jahren Eistherapie zur Behandlung von Ödemen propagiert, die zu einer Abnahme des Ödems führen soll. Diese Wirkung kann durch die Literatur nicht belegt werden.

Ganz im Gegenteil: Studien belegen, dass Kälteanwendungen zu einer Zunahme der Schwellung führen. Die Lymphgefäße, die dafür verantwortlich sind die Schwellung „abzubauen“, verfallen bei einer lokalen Eisanwendung bei unter + 7 Grad Celsius in einen Spasmus und sind nicht mehr in der Lage die Flüssigkeit abzutransportieren.

Es ist natürlich wichtig eine schmerzlindernde Eisbehandlung durchzuführen, wenn sie für den Sportler von Nöten sein sollte. Dabei sollte auf eine abgeschwächte Form der Kältebehandlung zurückgegriffen werden, bei welcher die Temperatur über +7°C beträgt. Geeignet sind Quarkwickel, kalte Umschläge usw..  So wird eine schmerzlindernde Wirkung gewährleistet, ohne das die Wundheilungsprozesse negativ beeinflusst werden.


!! ACHTUNG: In wichtigen Wettkampfsituationen findet die Eistherapie trotz aller negativer Einflüsse häufig Anwendung als 1. Hilfemaßnahme. Da in solchen Fällen die Schmerzfreiheit und nicht die Wundheilung oder die Versorgung der Verletzung im Vordergrund steht, ist die Kälteanwendung damit zu begründen !!


Die bis heute allgemein anerkannte Theorie, das Eis bei der Behandlung von Sportverletzungen wichtig ist, basiert nicht auf Beweisen und wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist deshalb mit Vorsicht zu genießen.

Die Anwendung von Eis sollte wohl überlegt sein und sinnvoll eingesetzt werden.